Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
- Eine kurze Nacht vor einem langen Tag
- Die ersten zehn Kilometer liefen
- Der erste deutliche Anstieg und das Mittagstief
- Schuhe aus und Socken trocknen
- Der härteste Anstieg der Strecke
- Bei Kilometer 50 war die Motivation weg
- Warum ich nicht weitergegangen bin
- Die gelaufene Tour in Zahlen
- Eine 50-Kilometer-Medaille ist kein Trostpreis
Als ich am Samstagabend die 50-Kilometer-Medaille in der Hand hielt, zeigte meine Garmin Fenix 8 genau 52,81 Kilometer an. Hinter mir lagen 11 Stunden und 20 Minuten auf der Strecke. Vor mir lagen keine weiteren 50 Kilometer mehr, denn ich hatte entschieden, den Megamarsch Stuttgart 2026 an dieser Stelle zu beenden.
Geplant waren 100 Kilometer in 24 Stunden. Genau genommen war die mit Komoot geplante Strecke sogar 102,82 Kilometer lang und mit 1.629 Höhenmetern alles andere als flach. Nach meinem erfolgreichen 100-Kilometer-Megamarsch im September 2025 wollte ich es noch einmal wissen.
Dieses Mal endete der Tag mit der 50-Kilometer-Medaille. Das ist nicht das Ergebnis, mit dem ich am Morgen gestartet war. Es war aber das richtige Ergebnis für diesen Tag. In diesem Erfahrungsbericht erzähle ich, wie es dazu kam.
Eine kurze Nacht vor einem langen Tag
Die Vorbereitung auf den Megamarsch begann nicht optimal. In der Nacht vor dem Start konnte ich kaum einschlafen. Immer wieder ging mir die gleiche Frage durch den Kopf: Regenkleidung mitnehmen oder nicht?
Das Wetter in Baden-Württemberg war unbeständig angekündigt. Teilweise sollte es regnen, in der Nacht konnten die Temperaturen auf etwa neun Grad sinken. Nass zu werden und anschließend auszukühlen, wäre auf einer 100-Kilometer-Wanderung keine gute Ausgangslage gewesen. Also kamen Regenjacke und Regenhose mit.
Zwischendurch setzte ich mich sogar noch an den Computer und spielte etwas, um den Kopf freizubekommen. Um fünf Uhr war ich wieder wach, obwohl der Wecker eigentlich erst um sechs Uhr klingeln sollte.
Der Rucksack war entsprechend gut gefüllt. Allein Wasser und Cola brachten fast drei Kilogramm auf die Waage. Dazu kamen zwei Lampen für die Nacht, Akkus, Powerbank, eine zusätzliche Jacke, ein dünner Pullover, Handschuhe, Mütze und Buff.
Bei den Schuhen wollte ich kein Risiko eingehen. Meine Hoka Kaha 3 GTX waren zu diesem Zeitpunkt bereits etwa 90 Kilometer eingelaufen. Dazu kamen der Osprey-Rucksack, die Garmin Fenix 8 sowie meine Ledlenser-Lampen für die geplante Nachtetappe.
Nach dem Frühstück wurden die Füße abgeklebt, die letzten Sachen angezogen und der Rucksack geschlossen. Um 7:45 Uhr wurde ich abgeholt. Die eigentliche Aufzeichnung des Marsches startete schließlich um 9:15 Uhr.
Die ersten zehn Kilometer liefen
Die ersten Kilometer verliefen ordentlich. Nach einer Stunde und 56 Minuten zeigte die Uhr zehn Kilometer an. Meine damalige Live-Meldung fasste die Situation treffend zusammen:
„Schwitze wie Hulle, ansonsten alles okay.“
Der Track zeigt, dass die Strecke bereits auf den ersten Kilometern kontinuierlich anstieg. Vom Start auf ungefähr 253 Metern ging es bis Kilometer zehn auf rund 426 Meter hinauf. Trotzdem fanden mein Begleiter Kevin und ich schnell unseren Rhythmus.
Die erste Verpflegungsstation erreichten wir bei ungefähr Kilometer 17. Dort wurde der Rucksack wieder aufgefüllt. Ich aß eine saure Gurke, zwei Käsebrote und eine Waffel. Danach ging es weiter.
Zu diesem Zeitpunkt fühlte sich das Ziel noch weit entfernt, aber nicht unrealistisch. Die Beine funktionierten, die Füße waren noch in Ordnung und die Geschwindigkeit passte.
Der erste deutliche Anstieg und das Mittagstief
Zwischen Kilometer 20 und 22 folgte ein längerer und deutlich spürbarer Anstieg. Das tatsächliche Höhenprofil bestätigt meine damalige Einschätzung. Allein zwischen Kilometer 21 und 22 gewann die Strecke mehr als 60 Höhenmeter.
Bei Kilometer 25,6 kam das erste richtige Energietief. Es war inzwischen früher Nachmittag, ich fühlte mich müde und insgesamt schlapp. Noch war das kein Grund, über einen Abbruch nachzudenken. Meine Meldung lautete sinngemäß: Heute fühle ich mich schlapp, ansonsten läuft es.
Es lief, aber es lief nicht leicht.
Bei Kilometer 30 sah die Welt schon wieder freundlicher aus. Das Wetter hatte sich deutlich besser entwickelt als in der Nacht befürchtet. Es war wunderschön, inzwischen allerdings auch ziemlich warm. Entsprechend stark schwitzte ich weiterhin.
Kurz darauf kam einer dieser kleinen Momente, die bei einer solchen Veranstaltung überraschend viel bewirken können. Bei Kilometer 32,5 boten zwei Kinder am Streckenrand Cola an. Natürlich griff ich zu.
„Super war’s“, hielt ich anschließend fest.
Es war nur etwas Cola. In diesem Moment war es aber genau das Richtige.
Schuhe aus und Socken trocknen
Die zweite Verpflegungsstation lag bei ungefähr Kilometer 36. Dort machten wir eine längere Pause. Der GPX-Track zeigt eine Unterbrechung von gut 38 Minuten.
Ich öffnete die Schuhe, ließ sie auslüften und versuchte, die Socken zu trocknen. Dazu gab es Waffeln, frisches Wasser und etwas Zeit, um wieder zur Ruhe zu kommen.
Bei einer Wanderung über 100 Kilometer kann eine solche Pause schnell wie verlorene Zeit wirken. Tatsächlich ist sie Teil des Fußmanagements. Einige Minuten ohne Schuhe können darüber entscheiden, ob man später noch vernünftig weiterlaufen kann.
Nach der Pause ging es weiter. Die Beine kamen wieder in Bewegung, aber die Belastung der vergangenen Stunden war inzwischen deutlich zu spüren.
Der härteste Anstieg der Strecke
Gegen 18:49 Uhr, ungefähr bei Kilometer 44,5, stand der mit Abstand härteste Anstieg meiner gelaufenen Strecke an. Zwischen Kilometer 44 und 45 lagen rund 108 positive Höhenmeter.
Der Blick in die GPX-Daten bestätigt, wie anspruchsvoll dieser Abschnitt war. Es war der härteste Kilometer meiner gelaufenen Strecke.
Danach ging es wieder deutlich bergab. Bei Kilometer 45 befand ich mich noch auf ungefähr 368 Metern Höhe. Fünf Kilometer später waren es nur noch rund 217 Meter. Auf dem Höhenprofil sieht das nach einer Erleichterung aus. Mit zunehmend schmerzenden Füßen ist langes Bergabgehen allerdings nicht automatisch angenehm.
Bei Kilometer 50 war die Motivation weg
Gegen 20 Uhr zeigte die Garmin fast genau 50 Kilometer an. Bis zu diesem Punkt war ich etwa zehn Stunden und 46 Minuten unterwegs gewesen, einschließlich der Pausen.
Meine Motivation war zu diesem Zeitpunkt praktisch nicht mehr vorhanden.
Ich hatte die Hälfte der ursprünglich geplanten Distanz geschafft. Normalerweise klingt „die Hälfte“ nach einem wichtigen Zwischenziel. Bei einem 100-Kilometer-Marsch bedeutet es aber auch: Jetzt noch einmal die Strecke, die bereits hinter einem liegt.
Kevin drängte mich, wie ich es in meiner Live-Meldung formulierte, weiterzulaufen. Das war in diesem Moment auch notwendig. Die 50 Kilometer auf der Uhr waren noch nicht das Ende der aufgezeichneten Strecke.
Wir gingen weiter.
Etwa 35 Minuten später beendete ich die Aktivität. Die Garmin zeigte 52,81 Kilometer. Es war 20:35 Uhr. Ich nahm die 50-Kilometer-Medaille entgegen und erklärte den Megamarsch für beendet.
Warum ich nicht weitergegangen bin
Bei 52 Kilometern war der Zieleinlauf der 50-Kilometer-Distanz erreicht. Und genau dort war für mich Schluss – nicht, weil ich körperlich völlig am Ende war, sondern weil ich mich nicht mehr motivieren konnte, noch einmal zehn Stunden auf den Beinen zu sein, um die nächsten 50 Kilometer zu schaffen.
Das war der eigentliche Grund, warum wir abgebrochen haben.
Vor mir hätten noch viele Stunden gelegen. Es wäre dunkel und kälter geworden. Die Reserven wären weiter geschrumpft, während die Belastung der Füße mit jedem Kilometer zugenommen hätte. Aber der entscheidende Punkt war die Motivation: Nach mehr als elf Stunden und über 52 Kilometern war die Bereitschaft, noch einmal die gesamte Strecke von vorn zu gehen, schlicht nicht mehr da.
Hinzu kam der Vergleich mit dem Vorjahr. Im September 2025 hatte ich die 100 Kilometer in weniger als 24 Stunden geschafft. Dieser Erfolg war einerseits Motivation. Andererseits erzeugte er den Gedanken, dass es auch dieses Mal funktionieren müsse.
Aber der Körper interessiert sich nicht für Ergebnisse aus dem Vorjahr.
Nur weiterzulaufen, um mir oder anderen etwas zu beweisen, wäre kein guter Grund gewesen. Ich kannte die Distanz und wusste, was in der zweiten Hälfte noch auf mich zugekommen wäre. Gerade diese Erfahrung half mir, die Situation realistisch einzuschätzen.
Der Abbruch war deshalb keine spontane Reaktion auf ein kurzes Motivationstief. Er war eine überlegte Entscheidung nach über elf Stunden auf der Strecke – getroffen in dem Moment, in dem die 50-Kilometer-Marke erreicht war und die Motivation für die zweite Hälfte fehlte.
Die gelaufene Tour in Zahlen
Die Garmin-Aufzeichnung umfasst 52,81 Kilometer. Gestartet bin ich um 9:15 Uhr, beendet habe ich die Aktivität um 20:35 Uhr. Die gesamte Dauer betrug 11 Stunden und 20 Minuten einschließlich der Pausen.
Der niedrigste Punkt des Tracks lag bei etwa 212 Metern, der höchste bei rund 456 Metern. Aus dem geglätteten Höhenprofil ergeben sich ungefähr 1.000 positive Höhenmeter. Die durchschnittliche Herzfrequenz lag bei 128 Schlägen pro Minute.
Die ersten zehn Kilometer absolvierte ich in einer Stunde und 56 Minuten. Kilometer 30 erreichte ich nach fast genau sechs Stunden. Die lange Pause an der zweiten Verpflegungsstation ist in diesen Zeiten bereits enthalten. Die 50-Kilometer-Marke fiel nach zehn Stunden und 46 Minuten.
Die geplante 100-Kilometer-Route hätte insgesamt 102,82 Kilometer und 1.629 Höhenmeter umfasst. Ich bin also nicht die Hälfte eines gemütlichen Spaziergangs gelaufen, sondern 11 Stunden und 20 Minuten durch eine anspruchsvolle und hügelige Strecke rund um Stuttgart.
Eine 50-Kilometer-Medaille ist kein Trostpreis
Natürlich wäre ich lieber mit einer weiteren 100-Kilometer-Medaille nach Hause gefahren. Dafür war ich angetreten und darauf hatte ich mich vorbereitet.
Trotzdem fühlt sich die 50-Kilometer-Medaille nicht wie ein Trostpreis an. Sie steht für über 52 gelaufene Kilometer, rund 1.000 Höhenmeter, mehrere schwierige Anstiege, ein deutliches Mittagstief und einen Moment bei Kilometer 50, in dem die Motivation vollständig verschwunden war.
Sie steht außerdem für die Entscheidung, nicht aus falschem Ehrgeiz weiterzulaufen und möglicherweise die Füße so stark zu belasten, dass die Folgen noch Tage oder Wochen zu spüren gewesen wären.
Ausdauer bedeutet nicht ausschließlich, unter allen Umständen weiterzumachen. Ausdauer bedeutet auch, die eigene Situation nüchtern beurteilen zu können.
Der Megamarsch Stuttgart 2026 endete für mich deshalb nicht wie geplant. Er endete nach offiziellen 50 und aufgezeichneten 52,8 Kilometern.
Mit schmerzenden Füßen, einer Medaille und der Gewissheit, an diesem Tag die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Meinen Weg zu diesem Megamarsch und die eingesetzte Ausrüstung habe ich im Vorbereitungsartikel zum Megamarsch Stuttgart 2026 beschrieben. Wer wissen will, wie sich die volle Distanz anfühlt, findet in meinem Erfahrungsbericht vom Megamarsch 2025 die ganze Geschichte.