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100 km in 24 Stunden beim Megamarsch: So bereite ich mich ehrlich auf meinen zweiten Marsch vor – Schuhe, Essen, Regenkleidung und Lehren aus dem Vorjahr.
Letztes Jahr im September bin ich beim Megamarsch Stuttgart 100 km in unter 24 Stunden gelaufen. Was für ein Abenteuer das war, habe ich dort ausführlich beschrieben. Jetzt steht der nächste Megamarsch an, und damit die zweite 100-km-Vorbereitung.
Das Interessante daran: Die Vorbereitung läuft diesmal komplett anders als die erste. Ich weiß, was mich erwartet. Ich weiß, welche Fehler ich letztes Jahr gemacht habe. Und ich weiß, worauf es in Stunde 20 wirklich ankommt. In diesem Artikel zeige ich, wie ich mich auf den zweiten Anlauf vorbereite – ehrlich, mit allen Unsicherheiten, die noch drin sind.
Sportliche Vorbereitung: Alltagsbewegung statt Spezialtraining
Fangen wir beim vielleicht ungewöhnlichsten Punkt an: Ich habe kein Spezialtraining gemacht. Keinen Trainingsplan, keine geplanten Langläufe, keinen Stundenzettel an der Wand.
Stattdessen verlasse ich mich auf meine Alltagsbasis. Der Streak steht seit über 800 Tagen: täglich mindestens 11.000 Schritte. Dazu kommen regelmäßige Joggingrunden, die meisten abends, wenn die Arbeit erledigt ist. Nach acht Stunden am Schreibtisch sind das im Schnitt etwa 7 km, gelegentlich auch mal 10. Kein Leistungssport, aber eine ordentliche Grundlage.
Klingt das zu entspannt für 100 km? Vielleicht. Aber die Erfahrung vom letzten Jahr hat mich in dieser Haltung bestätigt: Die Tagesform entscheidet sich für mich nicht im Training, sondern darin, wie gut ich mich über 24 Stunden selbst managen kann. Und genau da kommt die Ausrüstung ins Spiel.
Die Ausrüstung für 100 km in 24 Stunden
Hier liegen für mich die wichtigsten Änderungen gegenüber dem Vorjahr. Punkt für Punkt.
Regenbekleidung: 3L-Jacket und -Hose statt Poncho
Die Wetterlage vor dem Marsch war instabil, und genau deshalb habe ich mir vor dem Termin die RevolutionRace Arcade 3L Lightweight Jacket und die passende Pants zugelegt. Beides ist leicht und hat ein erstaunlich kleines Packmaß – Eigenschaften, die bei einem 24-Stunden-Marsch zählen, weil man die Sachen die meiste Zeit im Rucksack verbringt.
Ehrlich gesagt: Es ist ein Feldtest. Ich habe bewusst auf meinen alten Regenponcho verzichtet – unter dem schwitze ich extrem, und nass von innen ist genau so unangenehm wie nass von außen. Von der 3L-Sache erhoffe ich mir bessere Atmungsaktivität. Ob das hält, was ich hoffe, wird der Marsch zeigen. Ich gebe zu: Da ist noch Unsicherheit drin. Aber genau dafür kaufe ich Ausrüstung – um sie unter echten Bedingungen zu testen.
Dank Seitenreißverschluss lassen sich die Regenhosen ohne Schuhausziehen über die Wanderschuhe ziehen – wie das mit den aufklappbaren Zipphosenteilen zusammenspielt, erkläre ich gleich.
Zipphosen mit aufklappbaren Beinteilen
Bei den Hosen bin ich bei RevolutionRace geblieben, bei Zipphosen genauer gesagt. Wichtig ist mir dabei ein Detail, das viele übersehen: Die Beinteile müssen sich komplett abtrennen lassen. Weil ich sonst keine Regenhose über meine breiten Wanderschuhe bekomme. Aber auch für Wechsel zwischendurch sind für mich voll aufklappbare Beinteile Pflicht geworden – das hat sich einfach bewährt.
Schuhe und Socken: Das Herzstück der Vorbereitung
Hier hat mich der letzte Megamarsch am deutlichsten korrigiert. Dazu mehr im Lessons-Learned-Abschnitt weiter unten. Kurz gesagt: Letztes Jahr hatte ich RevolutionRace-Schuhe an, deren Profil weitgehend abgelaufen war. Auf den vielen bergauf- und bergab-Passagen rutschte mein Fuß nach vorne, und auf den Schlusskilometern über altes Kopfsteinpflaster spürte ich das in den Zehen – ein paar Zehennägel habe ich dabei verloren.
Diesmal laufen die Hoka Kaha 3 GTX mit. Und ich habe sie gleich zwei Nummern größer genommen, von 42 auf 44 – der Schuh fällt eng aus, und nach vielen Stunden will der Fuß einfach mehr Platz haben. Vor dem Marsch habe ich rund 90 km in sie eingelaufen, damit sie sich an meinen Fuß gewöhnt haben und umgekehrt.
Bei den Socken setze ich auf doppellagige Modelle und auf Wechsel – zwei- bis dreimal im Marschverlauf eingeplant, weil meine Füße stark schwitzen. Im Rucksack liegen zusätzlich ein Ersatz-T-Shirt und ein saugstarkes Handtuch. Das klingt nach Luxus, ist bei 24 Stunden aber eher Survival-Ausrüstung.
Rucksack: bewährter Osprey, entrümpelt
Beim Rucksack gibt es diesmal nichts Neues zu berichten – und genau das ist der Punkt. Mein Osprey begleitet mich schon lange, und ich habe ihm vertrauen gelernt. Vor dem Marsch habe ich ihn trotzdem entrümpelt: raus damit, was nicht unbedingt gebraucht wird. Alles, was ich bei Stunde 18 nicht mehr brauche, bleibt zuhause.
Lampen: Neo 5R um den Brustkorb, HFR8 als Reserve
Ein Trick, den ich schon 2025 ausführlich beschrieben habe und der sich seither bewährt hat: Meine Ledlenser trage ich nicht am Kopf, sondern um den Brustkorb geschnallt. Diesmal ist es die Neo 5R. Der Vorteil: Das Licht leuchtet konstant nach vorne, unabhängig davon, wohin ich den Kopf drehe. Und beim Gespräch mit Mitwanderern blende ich niemanden. Gerade nachts, wenn man stundenlang mit wechselnden Begleitern läuft, ist das mehr wert, als es sich anhört.
Als Stirnlampe kommt trotzdem eine mit: die Ledlenser HFR8 Signature. Sie liegt als Notfallreserve im Rucksack – falls die Neo 5R ausfällt oder ich für ein Teilstück doch gezielt den Lichtkegel dort haben will, wo ich hinschaue.
Technik: Garmin Fenix 8 und 24 Stunden GPS
Da der Marsch rund um die Uhr geht, ist die Uhr nicht nur Sportaccessoire, sondern Strecken- und Zeitreferenz. Mein Garmin Fenix 8 läuft deshalb durchgehend mit aktiviertem GPS – beim letzten Marsch blieben nach 24 Stunden Permanent-GPS noch rund 80 % Restakku übrig. Bei der Batterielaufzeit bin ich damit entspannt.
Ein Punkt nervt mich allerdings ein bisschen: Ich hätte gern einen Fenix-Nachfolger mit integrierter Satellitenkommunikation (inReach), einfach wegen der Absicherung auf so langen Touren abseits der Zivilisation. Der war aber zum Marschtermin schlicht nicht lieferbar. Also läuft der Fenix 8 eine weitere Saison mit – und macht das, nach allem, was ich sehe, sehr souverän.
Verpflegung und Getränke: eigenes Essen statt Veranstalterverpflegung
Ein Thema, bei dem ich letztes Mal die harte Tour gelernt habe: Veranstalteressen und mein Magen vertragen sich nicht. Die Folge waren Magenkrämpfe mitten im Marsch, und diese Erfahrung muss ich nicht wiederholen.
Diesmal entscheide ich deshalb bewusst anders: Ich nehme mein bewährtes eigenes Essen mit – Milchbrötchen, Cabanossi und Apfelschnitten. Nichts Spektakuläres, aber genau das, was meinem Magen liegt. Die Gummibärchen vom Veranstalter in der Nacht bleiben die bewusste Ausnahme – ein kleiner Zucker-Kick, wenn es darauf ankommt. Mehr nicht.
Beim Trinken bin ich unkompliziert: hauptsächlich Wasser. Dazu eine kleine zweite Trinkflasche mit Kaltwassertee – allein für den Geschmackswechsel. Das klingt nach einer Kleinigkeit, aber gerade nachts und in den frühen Morgenstunden merke ich, wie wichtig so ein kleiner Wechsel für die Motivation ist.
Lessons Learned vom letzten Megamarsch
Jetzt wie versprochen zum Kernstück: Was habe ich aus dem letzten Jahr gelernt?
Die größte Lektion betraf die Schuhe. Mein RevolutionRace-Schuh war vom Profil her weitgehend abgelaufen. Bei viel bergauf und bergab rutschte der Fuß nach vorne, in die Schuhspitze. Und irgendwann, auf den Schlusskilometern über altes Kopfsteinpflaster, machte sich das schmerzhaft breit: starke Fußschmerzen, einzelne Zehennägel verloren. Keine dramatische Verletzung, aber ein unangenehmes Detail, das die letzten Stunden deutlich zäher gemacht hat, als sie hätten sein müssen.
Die Konsequenz für 2026: Hoka Kaha 3 GTX, zwei Nummern größer (von 42 auf 44, der Schuh schneidet eng), rund 90 km vorab eingelaufen. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist für mich aber die wichtigste einzelne Vorbereitungsmaßnahme überhaupt.
Die zweite Lektion betraf den Poncho: Unter dem habe ich extrem geschwitzt, und nass von innen ist genauso unangenehm wie nass von außen. Deshalb diesmal bewusst die 3L-Lösung statt des Ponchos.
Und die dritte Lektion ist eher eine Grundeinsicht: Bei 100 km und 24 Stunden entscheiden nicht die großen Dinge, sondern die Summe der kleinen. Ein abgelaufenes Profil, ein zu enger Schuh, das falsche Essen, ein schwitzender Poncho – einzeln harmlos, zusammen entscheidend. Genau deshalb ist meine Vorbereitung diesmal so stark auf Details fokussiert.
Fazit und Ausblick: Bereit für den Megamarsch Stuttgart?
Bin ich bereit? Ich denke schon. Aber ich weiß auch, dass Vorbereitung nicht alles ist. Die 3L-Regenkleidung ist ungetestet unter echtem Dauerregen, der Satellitennachfolger für die Uhr kam nicht rechtzeitig, und ob meine Alltagsbasis allein reicht, um die 100 km wieder in unter 24 Stunden zu schaffen, werde ich erst am Marschende wissen.
Eine Sache mache ich mir dabei bewusst nicht leicht: Beim Megamarsch Stuttgart kommen zu den 100 km noch rund 1.600 Höhenmeter dazu. Es gibt sicher einfachere 100-km-Märsche – aber ich wohne in der Nähe von Stuttgart, und genau deshalb nehme ich diese Herausforderung gern an.
Genau das ist für mich der Reiz am zweiten Anlauf: Ich weiß, was mich erwartet, und ich habe die wichtigsten Lehren aus dem Vorjahr umgesetzt. Der Rest ist Erfahrung, die man nur im Gehen sammeln kann.
Falls ihr selbst vor der 100-km-Idee steht und wissen wollt, wie so ein Marsch wirklich läuft, statt nur, wie man sich darauf vorbereitet: Schaut in meinen Bericht vom Megamarsch Stuttgart – 100 km in unter 24 Stunden.
FAQ: Megamarsch 100 km Vorbereitung
Wie bereitet man sich auf 100 km in 24 Stunden vor?
Ich setze auf Alltagsbewegung statt Spezialtraining: über 800 Tage täglich mindestens 11.000 Schritte, dazu abends im Schnitt rund 7 km Joggen nach der Arbeit, gelegentlich auch mal 10. Wichtiger als das Training ist für mich das Management vor Ort: trockene Füße, verträgliche Verpflegung und Ausrüstung, die ich im Alltag schon getestet habe.
Welche Schuhe sind für den Megamarsch Stuttgart sinnvoll?
Entscheidend ist, dass das Profil intakt und der Schuh ausreichend groß ist. Nach meinem ersten Megamarsch mit rutschendem Fuß und verlorenen Zehennägeln laufe ich diesmal die Hoka Kaha 3 GTX in zwei Nummern größer (44 statt 42) und habe sie vorab rund 90 km eingelaufen.
Was isst und trinkt man bei einem 24-Stunden-Marsch?
Bewährtes statt Experimente: Ich nehme eigenes Essen mit – Milchbrötchen, Cabanossi und Apfelschnitten -, weil mich Veranstalteressen beim letzten Mal mit Magenkrämpfen gestoppt hat. Getrunken wird vor allem Wasser, dazu gibt es Kaltwassertee in einer zweiten Flasche für den Geschmackswechsel.
Wie viele Höhenmeter hat der Megamarsch Stuttgart?
Auf die 100 km kommen rund 1.600 Höhenmeter. Das macht die Strecke anspruchsvoller als so manchen anderen 100-km-Marsch – für mich als Bewohner des Stuttgarter Umlands gehört genau das zur Herausforderung dazu.