Warum Designreferenzen interessant sind
Eine Website technisch umzusetzen, ist eine andere Aufgabe, als ihre Gestaltung festzulegen. Farben, Schrift, Abstände und die Gewichtung von Inhalten gehören zusammen – lassen sich mit Vorgaben wie „modern“ oder „übersichtlich“ aber nur ungenau beschreiben. Designreferenzen können helfen, diese Entscheidungen greifbarer zu machen, ohne eine fertige Oberfläche einfach zu übernehmen.
Ich habe selbst bereits eine DESIGN-Datei für Website- und Frontend-Arbeit sowie für Präsentationen und andere Projekte genutzt. Damit ist das Thema nicht auf Webseiten beschränkt: Auch bei anderen Formaten stellt sich die Frage, wie sich gestalterische Vorgaben festhalten und für die weitere Arbeit bereitstellen lassen.
Hier setzen die Fragen an, unter denen sich Refero Styles und getdesign.md betrachten lassen: Wie werden Designreferenzen aufbereitet? Welche Informationen enthalten sie, und wie lassen sich diese nutzen? In diesem Artikel geht es um die beiden Angebote und ihren technischen Ansatz – nicht um die Vorstellung oder den Nachbau eines bestimmten Designs.
Was die beiden Seiten anbieten
Refero Styles beschreibt sein Angebot als Sammlung KI-lesbarer Designsysteme bekannter Produktwebsites. Laut Anbieter enthalten die einzelnen Style-Seiten Angaben zu Farben, Typografie, Abständen und Komponenten sowie eine DESIGN.md-Datei. Diese soll sich unter anderem in Cursor, Claude Code, Codex, v0 und Lovable verwenden lassen. Zum Recherchezeitpunkt am 27. Oktober 2026 war die Seite als Beta gekennzeichnet; sie warb mit mehr als 2.000 Einträgen und wöchentlichen Ergänzungen.
getdesign.md stellt unabhängige Analysen von Websites als DESIGN.md-Dateien bereit. Der Anbieter nennt verschiedene Builder und Coding-Agenten als Einsatzmöglichkeiten. Am selben Abrufdatum zeigte das Verzeichnis 551 Designs an. Neben dem Verzeichnis bietet getdesign.md weitere Produkte an; bei einzelnen Seiten und Dateien können Inhalte außerdem an einen kostenpflichtigen „Catalog Pass“ oder ein Bundle gebunden sein. Ob eine bestimmte Datei frei zugänglich ist oder zu einem kostenpflichtigen Angebot gehört, sollte daher jeweils auf ihrer Seite geprüft werden.
Beide Angebote stellen DESIGN.md-Dateien als Designreferenzen bereit. Der Unterschied liegt vor allem in ihrer Selbstdarstellung: Refero spricht von KI-lesbaren Designsystemen, getdesign.md von unabhängigen Designanalysen. Die genannten Inhalte, Einsatzmöglichkeiten und Bestandszahlen sind Anbieterangaben, keine Ergebnisse eines eigenen Funktionstests.
Wie Designreferenzen grundsätzlich eingesetzt werden
Der erste Schritt ist ein Blick in die jeweilige DESIGN.md: Welche Gestaltungselemente sind darin tatsächlich beschrieben? Entscheidend ist der Inhalt der Datei, nicht allein der visuelle Eindruck der zugehörigen Website. So lässt sich einschätzen, welche Hinweise für das eigene Projekt brauchbar sind und wo Angaben fehlen.
Anschließend können diese Hinweise einem KI-Werkzeug für die Programmierung als Orientierung für die eigene Oberfläche mitgegeben werden. getdesign.md beschreibt die Nutzung als Referenz für eigene UI-Projekte; Refero Styles nennt konkrete Coding-Tools und stellt DESIGN.md-Dateien bereit. Einen technischen Hintergrund liefert Atlassian: Das Unternehmen beschreibt, wie strukturierte, maschinenlesbare Designsystem-Angaben seinem KI-Coding-Agenten Kontext vermitteln – allerdings innerhalb des eigenen Systems über eine spezielle technische Schnittstelle (MCP). Das ist kein Wirksamkeitsnachweis für die DESIGN.md-Dateien von getdesign oder Refero. Für die eigene Arbeit sollten solche Referenzen um die tatsächlichen Anforderungen ergänzt werden: eigene Markenregeln, benötigte Inhalte und gewünschte Funktionalität. Dokumentierte Gestaltungswerte sind ein Ausgangspunkt und sollten die Vorgaben des eigenen Projekts nicht ungeprüft ersetzen.
Das Ergebnis muss anschließend geprüft werden. Eine Stilreferenz beschreibt visuelle Entscheidungen, validiert aber weder das Verhalten einer Anwendung noch ihre Barrierefreiheit. Ob Abläufe funktionieren, die Oberfläche per Tastatur bedienbar ist und Texte ausreichend lesbar sind, braucht deshalb eine eigene Prüfung – unabhängig davon, wie stimmig die Gestaltung zunächst wirkt.
Mögliche Anwendung außerhalb von Websites
Ich verwende eine DESIGN-Datei nicht nur für Websites und Frontends, sondern auch für Präsentationen und andere eigene Projekte. Dabei geht es mir nicht darum, ein Design zu kopieren. Oft interessieren mich nur bestimmte Formen, Farbkombinationen oder Gestaltungstechniken. Mit einer Referenz kann ich einer KI einfacher vermitteln, worauf sie achten soll, statt alles mit Worten beschreiben zu müssen.
Ein konkretes Beispiel sind Besuchs- und Kundenberichte, die ich nach den Farbschemata meines Arbeitgebers gestalte. Ich finde, das sieht bei der Übergabe an den Kunden gut aus. Eine solche Nutzung halte ich persönlich für legitim – maßgeblich bleiben dabei die jeweils geltenden Rechte und Arbeitgeberrichtlinien.
Das ist meine eigene Anwendung der Gestaltungsprinzipien, keine zugesicherte Funktion der hier vorgestellten Plattformen. Die Anbieter beschreiben ihre Referenzen vor allem für die Gestaltung digitaler Oberflächen und Websites, nicht als Präsentations- oder Slide-Tools. getdesign.md führt darüber hinaus eigene Produkte wie animierte Hintergründe und Launch-Video-Vorlagen. Ob klare Hierarchien, konsistente Typografie oder einheitliche Abstände auch in anderen Formaten helfen, hängt vom jeweiligen Projekt ab.
Grenzen und Nutzungsrechte
Eine DESIGN.md kann Gestaltungsentscheidungen verständlich beschreiben und als Inspiration dienen. Sie ist aber nicht automatisch ein vollständiges Designsystem: Fertige Codekomponenten, dokumentiertes Produktverhalten oder ein Nachweis für Barrierefreiheit gehören damit nicht selbstverständlich dazu. Auch eine unabhängige Besprechung von IonBin unterscheidet zwischen visuellen Entscheidungen und dem Verhalten eines Produkts. Eine solche Datei belegt also nicht, dass eine daraus entwickelte Oberfläche vollständig, zugänglich oder rechtlich geklärt ist.
Bei getdesign.md sind die Bedingungen für Dateien aus dem öffentlichen Verzeichnis vergleichsweise deutlich: Laut den am 27. Oktober 2026 geprüften Nutzungsbedingungen dürfen diese Dateien kostenlos angesehen, heruntergeladen und in eigenen Projekten verwendet werden. Das sollte nicht mit einem pauschal kostenlosen Zugang zu allen Inhalten der Website gleichgesetzt werden: Einzelne Seiten weisen auf vollständige Werte oder Materialien hin, die Teil eines Pass-Bundles sind. Die Dateien werden ohne Gewähr bereitgestellt und als unabhängige Analysen öffentlich sichtbarer Gestaltungsmerkmale beschrieben – nicht als offizielle Designsysteme der jeweiligen Unternehmen. Die Nutzungserlaubnis für bereitgestellte Dateien ist keine pauschale Lizenz für ursprüngliche Marken, Logos, Bilder oder andere Bestandteile der untersuchten Websites.
Bei Refero Styles ließen sich zum Prüfzeitpunkt keine ausdrücklichen Nutzungsbedingungen oder Lizenzangaben für die DESIGN.md-Dateien finden. Eine kostenlose oder uneingeschränkte Nutzung lässt sich deshalb nicht zusagen. Wer die Dateien im eigenen Projekt einsetzen möchte, sollte die dafür geltenden Bedingungen prüfen und offene Fragen zur Nutzung gegebenenfalls beim Anbieter klären. Für beide Angebote bleibt die Unterscheidung wichtig: Gestaltungsprinzipien als Anregung zu verstehen ist etwas anderes, als fremde Logos, Assets oder eine vollständige Oberfläche zu übernehmen.
Gute Referenzen ersetzen keine eigenen Entscheidungen
Refero Styles und getdesign.md liefern Ausgangspunkte, keine fertigen Designs oder Garantien. Dabei muss es nicht darum gehen, ganze Designs zu kopieren: Auch Formen, Farbkombinationen oder Techniken können Anregungen liefern, die du mithilfe von KI in eigene Gestaltungsvorgaben übersetzt. Ob das Ergebnis zum Projekt passt, welche Nutzungsrechte gelten und wie gut es bedienbar ist, bleibt selbst zu prüfen.
Entscheidend ist für mich, Referenzen als Anregung zu nutzen und daraus etwas zu entwickeln, das den eigenen Anforderungen entspricht.
